IMP 10 · Mathematik
Folgen und Grenzwerte
Eine Folge ordnet jeder Nummer n eine Zahl a(n) zu, explizit durch einen Term oder rekursiv aus dem Vorgänger. Im Koordinatensystem sind die Glieder einzelne Punkte. Die Zahl g heißt Grenzwert, wenn es zu jedem ε > 0 ein n0 gibt, sodass für alle n > n0 gilt: |a(n) − g| < ε. Ab dem Index n0 liegen also alle Folgenglieder im ε-Streifen um g.
So gehst du vor
- 1Wähle eine Folge. Die Glieder erscheinen als Punkte, die im ε-Streifen farbig, die außerhalb grau.
- 2Ziehe den Punkt g auf den vermuteten Grenzwert und den Punkt g + ε an den Streifenrand. Das n0 rechnet die Seite mit (geprüft an den ersten 20 000 Gliedern).
- 3Mach ε immer kleiner (Regler, Lupe). Gibt es immer noch ein n0?
- 4Im Spinnwebdiagramm unten ziehst du den Startwert auf der x-Achse und siehst, wie die rekursive Folge läuft.
Folgenglieder und ε-Streifen
Punkte außerhalb des Bildausschnitts sind nicht gezeichnet. Für sehr kleine ε die Lupe benutzen; sie vergrößert in y-Richtung um den momentanen Wert von g.
Folge
Live
a(n) = 1n2
g = 0, ε = 0,1
Für alle n > n0 = 3 gilt |a(n) − g| < ε: ab a(4) liegen alle Glieder im Streifen.
Von den 20 gezeigten Gliedern liegen 3 außerhalb.
ε
0,1
n₀
3
ε
0,100Grenzwert-Vermutung g
0,000gezeigte Glieder
20Lupe (y-Richtung)
Spinnwebdiagramm: rekursive Folgen an+1 = f(an)
Vom Startwert senkrecht hoch zum Graphen von f: Das liefert das nächste Glied. Waagerecht hinüber zur Geraden y = x legt man es wieder auf die x-Achse, und das Spiel beginnt von vorn. So entsteht eine Treppe oder ein Spinnennetz.
| w1 | w2 | w3 | w4 | w5 | w6 | w7 | w8 | w9 | w10 | w11 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 7 | 12,25 | 16,188 | 19,141 | 21,355 | 23,017 | 24,262 | 25,197 | 25,898 | 26,423 | 26,817 |
Vorschrift
wn+1 = 0,75 · wn + 7
Start: w1 = 7, also w2 = f(7) = 12,25
Schritte
10Startwert w1
7,0Dieselbe Folge über n aufgetragen
Waagerecht steht die Nummer n des Glieds, senkrecht sein Wert (Startwert w1).
Aufträge
- Wähle a(n) = 1n2 mit g = 0. Stelle ε = 0,01 ein und lies n0 ab. Bestätige den Wert mit der ε-Definition und vergleiche mit dem Nachweis der Seite.
- Wähle c(n) = 2n + 1n + 1 mit g = 2. Bestimme n0 für ε = 0,1, 0,01 und 0,001. Welcher Zusammenhang zwischen ε und n0 steckt dahinter?
- Wähle a(n) = 1 − (−1)n. Versuche, g und ε so einzustellen, dass es ein n0 gibt. Für welche ε gelingt das nie? Begründe, dass die Folge keinen Grenzwert hat.
- Vergleiche e(n) = 2 + 3 · 0,4n und a(n) = 4 + 1n bei ε = 0,01. Welche Folge nähert sich ihrem Grenzwert schneller? Woran liegt das?
- Wähle die geheime Folge X. Bestimme ihren Grenzwert auf drei Nachkommastellen, indem du ε immer kleiner machst und g nachführst (Lupe). Löse erst dann auf.
- Spinnwebdiagramm „Wirkstoff“: Lies w2 bis w6 ab und vergleiche mit deiner Tabelle aus dem Arbeitsblatt. Bei welcher Menge endet die Treppe? Begründe rechnerisch.
- Vorschrift „linear“: Verändere q. Für welche q konvergiert die Folge, für welche entsteht eine Treppe, für welche ein Spinnennetz? Was passiert bei q = −1 und bei q = 1?
- Vorschrift cn+1 = 1 − cn: Starte bei c0 = 0,5 und dann woanders. Gib eine explizite Darstellung an.
- Vorschrift „Sparbuch“ (5000 € Startkapital, 4 % Zinsen): Untersuche für die Entnahmen 100 €, 200 € und 300 € Monotonie und Beschränktheit. Bei welchem Betrag kippt das Verhalten?
- nicht im Arbeitsblatt Vorschrift „logistisch“: Stelle r = 2,8, 3,2, 3,5 und 3,9 ein. Beschreibe, was die Folge jeweils tut.
Theorie: Arbeitsblatt „Folgen“, Teil 1 (rekursiv und explizit), Teil 2 (Monotonie und Beschränktheit) und Teil 3 (Grenzwerte).